„Der Sekretär des Millionärs“ von Bettina Kiraly

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Der Sekretär des Millionärs

In seinem Job als Elitesekretär hat Marc schon viel erlebt. Auf das Haustier eines Auftraggebers musste er allerdings noch nie aufpassen. Doch das ist nicht die einzige Besonderheit, die ihn bei Mr Anders erwartet. Den Großteil des Tages hält die Ente Dagobert Marc auf Trab. Nach Sonnenuntergang macht es ihm der exzentrische Millionär schwer, sich zu konzentrieren. Ob er der Anziehungskraft zwischen ihnen nachgeben darf, obwohl Mr Anders ein Geheimnis vor ihm zu verbergen scheint?

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Leseprobe

Ein raschelndes Geräusch lässt mich herumfahren. Erschrocken lasse ich meine Tasche fallen, die mit einem leisen Plumpsen auf dem Boden landet.

An einem der Fenster starrt ein Mann mit dem Rücken zu mir in die Nacht. Wo zum Teufel ist der denn jetzt so plötzlich hergekommen?

Ich bücke mich nach meiner Tasche, hebe sie auf und hoffe, dass der Teppich so dick ist, wie es den Anschein hat. Wäre zu ärgerlich, wenn ich durch mein Erschrecken meine Tastatur geschrottet hätte. Eine Haarsträhne schiebt sich in meine Stirn. Weitere werden ihr folgen, aber damit werde ich erst einmal klarkommen müssen. Den Kamm habe ich natürlich auch nicht mit in dieses Büro gebracht.

Der Mann am Fenster bewegt sich auch nicht, als ich mich schließlich wieder erhebe. Vielleicht sollte ich froh sein, dass er wenig von meinem peinlichen Auftritt mitbekommen hat. Trotzdem könnte er mich doch netterweise begrüßen. Handelt es sich bei dem Kerl mit dem schwarzen, kurzen Haar um Mr Anders? Ist er taub oder nur gleichgültig? Mir ist die Situation unangenehm. Am liebsten würde ich einfach wieder gehen. Kein guter Start in meinen neuen Auftrag.

»Guten Tag«, grüße ich schließlich und räuspere mich, weil die Aufregung meine Stimme kratzig klingen lässt. Vorsichtig fahre ich mir durchs Haar, damit die Strähnen mir nicht mehr die Sicht rauben. Muss ich vielleicht noch ein Gedicht rezitieren, damit dieser unhöfliche Kerl sich endlich zu mir umwendet?

Das Schweigen zieht sich unschön. Langsam werde ich sauer.

»Eine Unterhaltung ist nicht notwendig«, stelle ich klar. »Teilen Sie mir lediglich mit, welche Aufgabe ich habe, dann mache ich mich sofort an die Arbeit.«

»Ich werde Ihnen ansagen, was Sie zu schreiben haben.« Der Mann mit dem schwarzen Haar hat eine tiefe, sexy Stimme. Ob sie immer so fordernd klingt, oder hat er diesen Tonfall für mich reserviert?

Anscheinend habe ich tatsächlich Mr Anders vor mir. Da ich bei meinen Vorabrecherchen kein Bild von ihm entdecken konnte, würde es mir auch nicht helfen, wenn er sich zu mir umdrehen würde. Wir werden also eng zusammenarbeiten. Vielleicht hat er gar keine Verhandlungen mit Geschäftspartnern geplant. Unter Umständen bleiben wir allein auf diesem seltsamen Anwesen.

»Der kleinere Schreibtisch ist für Sie gedacht«, fährt mein neuer Boss fort. »Setzen Sie sich. Richten Sie sich ein. Und sobald ich loslegen kann, sagen Sie mir Bescheid.«

Hat er gar nicht vor, mich anzusehen? Wozu habe ich mich herausgeputzt? Wieso hat er sich den attraktivsten Elitesekretär hergeholt, wenn er dann nicht davon profitieren will? Geht es ihm tatsächlich nur darum, seine Dokumente schnell zu Papier zu bringen? Auch solche Aufträge kommen oft genug vor.

Er zahlt gutes Geld. Nein, er zahlt viel mehr, als er müsste. Besser, ich versuche gar nicht erst, Antworten auf meine Fragen zu bekommen, bevor ihm das bewusst wird.

Nach einem letzten Zögern trete ich zu dem Schreibtisch, den er mir zugewiesen hat. Ich öffne meine Tasche und hole meine Tastatur heraus. Sie ist ergonomisch geformt und extra auf meine flinken Finger angepasst worden. Auch die Maus, die sich in meiner Tasche versteckt, ist eine Spezialanfertigung. Jemand, der so schnell tippen kann wie ich, braucht Besseres als die üblichen Geräte. Doch wo soll ich all die schönen Sachen anschließen?

»Ich habe alle Dinge vorbereitet, die ich benötige. Es fehlt allerdings ein Computer oder ein Laptop, damit ich …«

»Der Computer befindet sich im Schreibtisch. Sie müssen den geheimen Knopf drücken.« Der Mann am Fenster dreht sich zu mir um und setzt sich in Bewegung.

Keine Ahnung, wovon er spricht. Keine Ahnung, was er vorhat. Ich kann ihn nur anstarren, während eine neue Frage in meinem Kopf auftaucht.

Kann Schönheit tatsächlich blenden?

[…]

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