Neues aus der Autorenwerkstatt: Lektorat Teil 2 von Jessie Weber

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* Neues aus unserer Autorenwerkstatt *

von Jessie Weber

 

Lektorat Teil 2

Möchte der Lektor deinen Text / Stil wirklich verändern?


Bestimmt hast du dieses Gerücht auch schon mal gehört: Es gibt Autoren, die gern auf den „bösen
Lektor“ schimpfen, der ihre Geschichte verändern will, der sich selbst verwirklichen will, indem er ihren Texten seinen Stil aufdrückt. Diesen Gerüchten zufolge ist der Lektor ein zutiefst frustriertes Wesen, das es mit der eigenen Schreiberei zu nichts gebracht hat und deswegen kein gutes Haar an den Texten anderer Autoren lässt.
Ehrlich gesagt würde ich über solche Aussagen lachen, wenn es nicht so traurig wäre. Wenn solche Gerüchte nicht dazu führen würden, dass junge Autoren vor lauter Angst, ihr Text würde verunstaltet werden, auf ein Lektorat verzichten und sich damit selbst die Chance nehmen, ihr Werk im bestmöglichen Zustand abzuliefern / zu veröffentlichen. Denn nichts anderes will ein Lektor: Zusammen mit dem Autor den Text in den bestmöglichen Zustand versetzen, formal, inhaltlich und sprachlich.
Wenn du denkst, an deinen Texten gäbe es nichts zu verbessern – Glückwunsch. Bei deinem Selbstvertrauen werden dich auch eventuelle schlechte Rezensionen nicht schocken.
Ich arbeite als Lektorin und bin trotzdem jedes Mal froh und dankbar, wenn meine Bücher vor der Veröffentlichung ein professionelles Lektorat erhalten. Man ist oft genug blind für den eigenen Text, und ich lerne durch jedes Lektorat an meinen Texten noch einmal dazu.
Natürlich arbeiten nicht alle Lektoren gleich gut, und wie jeder andere Mensch in jedem anderen Beruf sind auch Lektoren nur Menschen. Dennoch: Lektoren werden dafür bezahlt, sich um Texte zu kümmern. Warum sollten sie dies nicht professionell und nach besten Kräften tun? Warum wird ihnen unterstellt, sie wollten sich einen Text aneignen, ihm ihren Stempel aufdrücken? Was hätten sie davon?
Auf dem Cover steht dein Name, nicht ihrer. Die meisten Lektoren werden im fertigen Buch mit keinem Wort erwähnt. Und das ist auch gut so. Schließlich haben nicht sie das letzte Wort, sondern du.
Das, was letztendlich veröffentlicht wird, liegt in deiner Verantwortung als Autor.
Eines ist aber klar: Je gründlicher du dein Manuskript überarbeitest, je sauberer du dein Werk ablieferst, desto weniger wird der Lektor anzumerken haben. Und, desto weniger wirst du das Gefühl haben, dass er deinen Text verändern will.

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