* Neues aus unserer Autorenwerkstatt *

von Jessie Weber

 

Gründliche Recherche – für alle Genres wichtig

Autoren von historischen Romanen müssen recherchieren, das weiß jeder. Man kann keine fremde Zeit beschreiben, ohne sich informiert zu haben, wie es damals zuging.
Warum jedoch sollten auch Autoren aller anderen Genres recherchieren?
Manch einer mag jetzt sagen: Aber ich schreibe doch Liebesromane. Da ist doch keine Recherche notwendig!
Dem widerspreche ich. Sicherlich ist es möglich, ohne jegliche Recherche eine Geschichte ohne Logikfehler zu schreiben, aber ich halte es für unwahrscheinlich. Sobald man sein Werk in einer Stadt spielen lässt, in der man nicht schon seit zig Jahren lebt, sollte man recherchieren.
Kennt ihr das, wenn ihr einen Film schaut, der in eurer Stadt spielt? Ich freue mich immer, Straßen und Gebäude wiederzuerkennen. Wenn aber der Herr Kommissar dann eine Straße entlangfährt und in eine andere einbiegt, die eigentlich in einem völlig anderen Stadtteil liegt, ärgere ich mich.
Nun mag das bei Filmen noch Gründe haben, seien es technische oder dramaturgische. Bei Geschichten jedoch sehe ich keinen Grund, nicht bei den wahren Begebenheiten zu bleiben.
Wenn eine Straßenkreuzung in Paris beschrieben wird, sollte diese auch existieren. Es wird immer den einen Leser geben, der sich dort auskennt und erkennt, wenn sich die beiden genannten Straßen gar nicht kreuzen. (Die Wahrscheinlichkeit, dass es mehr als einer ist, ist sogar noch größer, denn wir lesen doch alle gern Bücher über Städte, die wir kennen und lieben.) Oder den Leser, der den Stadtplan googelt, um sich ein Bild vom Ort der Handlung zu machen, und dasselbe feststellt.
Natürlich sind diese Details für die Story unwichtig – dennoch sollten sie stimmen. Zumal, wenn sie so einfach herauszubekommen sind. Die Mühe sollte sich jeder Autor machen – um nicht zu riskieren, die Leser durch Recherchefehler aus dem Lesefluss zu reißen oder womöglich als unglaubwürdig dazustehen.
Recherche bedeutet viel Arbeit, die dem Großteil der Leser gar nicht auffällt. Spätestens aber, wenn gerade die kritischen Leser Rezensionen schreiben und sie negativ ausfallen, ärgere ich mich sehr darüber, nachlässig gewesen zu sein.
Vielleicht bin ich deswegen das andere Extrem: Ich recherchiere mich fast zu Tode. Nicht nur bei meinen historischen Romanen, sondern auch bei meinen Fantasy- und Liebesgeschichten. Für mich gehört es einfach zum Handwerk des Autors, seine Geschichte und seine Schauplätze zu kennen.
Wenn in deinem Krimi jemand erschossen wird, solltest du dich über Waffen informiert haben. Wenn du behauptest, der 10. Juli des vergangenen Jahres war ein Dienstag, dann sollte es auch einer gewesen sein. Wenn sich dein Liebespaar an besagtem Dienstag im Louvre trifft – tja, dann steht es leider vor verschlossenen Türen. Einmal „Öffnungszeiten Louvre“ gegoogelt, und schon wäre das Problem gelöst, und deine Geschichte ist noch genauso romantisch, darüber hinaus aber hieb- und stichfest – möge der Leser auch noch so kritisch sein.
Okay, es ist vielleicht unwahrscheinlich, dass sich jemand beim Lesen meiner „Töchter der Stürme“ fragt, ob in Nordfrankreich an Weihnachten 1708 wirklich Schnee gefallen ist, aber falls er sich das fragt, kann ich mit ruhigem Gewissen sagen: Ja, das habe ich recherchiert.
Eure Jessie

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