Neues aus unserer Autorenwerkstatt: Logikfehler – warum sie stören und wie man sie vermeidet

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Logikfehler gar nicht erst entstehen lassen

* Neues aus unserer Autorenwerkstatt *

Von unserer Romance Alliance Autorin Jessie Weber

Logikfehler – Warum sie stören und wie man sie vermeidet

In Band 3 meiner „Lianne“-Trilogie hat ein Logikfehler überlebt. Sämtliche Überarbeitungsgänge, Testleser – und sogar das Lektorat. Ich ärgere mich nach zwei Jahren immer noch maßlos darüber (und werde ihn hier nicht nennen, denn ich hoffe, dass möglichst viele Leser darüber hinweglesen). Ich kann nur jedem Autor raten: Erspare dir diesen Ärger!

Am besten ist es natürlich, wenn Logikfehler gar nicht erst entstehen. Hierzu unten einige Tipps. Spätestens beim Überarbeiten sollten sie aber rausfliegen. Das kann nur gelingen, wenn wirklich gründlich überarbeitet wird, am besten in mehreren Durchgängen. Dass das – siehe oben – keine Garantie ist, versteht sich von selbst und ist auch verzeihlich. Trotzdem sollte man als Autor sein Bestes tun, um ein (unter anderem) möglichst logisches Werk abzuliefern.

Was ist eigentlich so schlimm an Logikfehlern?

Sie machen dich als Autor unglaubwürdig. Wenn du beim Leser die Reaktion „Moment – das kann so aber gar nicht passiert sein“ auslöst, verlierst du ihn im schlimmsten Fall, und er bricht dein Buch ab oder rezensiert es entsprechend schlecht. Wir wollen uns in den Geschichten, die wir lesen, doch wiederfinden, uns vorstellen, wir wären in der Situation der Charaktere. Zumindest aber wollen wir die Dinge, die geschehen, nachvollziehen können. Wenn dann aber an einer oder mehreren Stellen im Buch etwas beschrieben wird, das unlogisch ist und nie und nimmer passiert sein kann, werden wir unsanft aus der Geschichte geworfen.

Klar, Geschichten entstehen in der Fantasie des Autors, und natürlich ist es unwahrscheinlich, dass sie genau so in Wirklichkeit passieren würden. Das ist hier aber nicht gemeint. Alles, was theoretisch passieren kann (sei es auch noch so unwahrscheinlich), darf auch passieren. Alles, was nicht passieren kann, ist ein Logikfehler. Es gibt noch eine Grauzone dazwischen, die mich ebenfalls stört, die ich aber nicht so unverzeihlich finde wie echte Logikfehler. Ich nenne sie mal die „kann theoretisch sein, macht aber doch kein Mensch, weil …“-Fehler. Ein Beispiel: Ein Ritter, der zu Fuß auf einen Botengang geschickt wird, wird den Teufel tun, voll gerüstet loszulaufen. Schließlich wiegt so eine Rüstung eine ganze Menge. Wenn er es in einem Buch nun doch tut – tja. Grauzone. Möglich, aber komplett unlogisch.

Das Genre Fantasy / Phantastik nimmt, was die Logik angeht, meiner Meinung nach eine Sonderstellung ein. Hier ist besonders viel möglich, aber die Gefahr ist auch besonders groß, trotz aller Möglichkeiten in die Unlogik abzurutschen. Das, was – wie oben beschrieben – theoretisch passieren kann, ist hier viel breiter gefasst als in anderen Genres. Es ist natürlich kein Logikfehler, dass Harry Potter zaubern kann, nur weil es in unserer Welt (glaube ich zumindest) keine derartige Zauberei gibt. Aber es wäre sehr wohl ein Logikfehler, wenn er es plötzlich ohne Zauberstab könnte, denn so funktioniert die Harry-Potter-Welt nicht.

Auch eine Fantasywelt will also gut durchdacht sein, und natürlich gibt es auch hier Gesetze, die befolgt sein wollen. Ich habe schon erlebt, dass Autoren dagegen argumentieren: Meine Welt – meine Regeln. Wenn ich möchte, dass etwas so und nicht anders funktioniert, dann ist das in meiner Welt auch so. Dazu kann ich nur sagen: Jein. Natürlich: Du darfst alles machen. Aber: Du musst es erklären. Auch in einer Fantasywelt haben die Gesetze der Logik Bestand. Wenn du Wasser in ein Glas schütten kannst, dann wird es auch durch ein Loch im Dach deiner Hütte regnen. Alles andere wäre unlogisch. Es sei denn, du stopfst das Loch – meinetwegen auch magisch. Aber irgendetwas musst du dir überlegen, wenn deine Helden trocken bleiben sollen. Deine Welt – so ungewöhnlich sie auch sein mag – muss in sich stimmig sein. Wenn du schreibst, dass z. B. „keine Waffe den magischen Schild durchdringen“ kann, es aber später durch irgendeine Wunderwaffe doch passiert, dann musst du das erklären. Wenn in deiner Welt Menschen leben, die genau wie wir atmen, essen, schlafen, sterben – dann brauchen sie besondere Eigenschaften, wenn du willst, dass sie es in bestimmten Situationen nicht tun. Ansonsten – Logikfehler. Diese Eigenschaften sollten idealerweise rechtzeitig eingeführt werden, nicht erst, wenn es keinen anderen Ausweg mehr aus einer schwierigen Lage gibt. Wenn du Tiere beschreibst, die es in Wirklichkeit auch gibt, dann sollten sie auch dieselben Eigenschaften haben. Es steht dir frei, jedes Tier zu erfinden, das du gern in deiner Geschichte hättest. Das kann dann alle Eigenschaften besitzen, die du dir wünschst. Oder du nimmst das echte Tier und erklärst dem Leser, warum es sich anders verhält. Auch das ist völlig in Ordnung. Wenn du es allerdings nicht tust, wird der Leser glauben, dass du keine Ahnung von dem Tier und seinem Verhalten hast. Und das möchtest du nicht, oder?

Hier einige Tipps zur Vermeidung von Logikfehlern schon beim Schreiben:

– Gründlich recherchieren! Siehe hierzu unseren Beitrag https://romance-alliance.com/neues-aus-unserer-autorenwerkstatt-gruendliche-recherche-fuer-alle-genres-wichtig/ . So können viele Logikfehler von Anfang an vermieden werden.

– „Visitenkarten“ der einzelnen Charaktere anlegen – so vermeidest du, dass deine Helden im Laufe der Geschichte die Augen- oder Haarfarbe wechseln oder plötzlich ein anderes Auto fahren. Dasselbe gilt für Orte und Räume. Nicht dass das Bett zuerst an der linken und nachher an der rechten Wand steht!

– Schon während des Schreibens immer mal wieder zurückscrollen und die Situation, die zur jetzigen Lage des Helden geführt hat, noch einmal nachlesen. Wenn er nämlich ins linke Bein geschossen wurde, später aber die Wunde am rechten hat, dann ist das – unschön. Wenn dies aber erst beim Überarbeiten auffällt, musst du möglicherweise viel mehr ändern, als wenn du schon vorher einmal nachgesehen hast, wie genau es zu der Wunde gekommen ist.

– Zeitstrahl anlegen, Entfernungen, die zurückgelegt werden müssen, beachten, Geschwindigkeit des betreffenden Verkehrsmittels beachten. Wenn du – wie ich – gern den Mond beschreibst, achte darauf, dass nicht alle paar Tage Vollmond ist, sondern sich die Mondphasen logisch in den Zeitablauf einfügen. Diese Dinge nachträglich auszubügeln, ist sehr mühsam. Ich überarbeite gerade meinen ersten Roman – zum gefühlt hundertsten Mal. Ich weiß, wovon ich rede!

Ich wünsche euch viel Erfolg beim Schreiben!

Eure Jessie Weber

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